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32. KoWi-Bundestagung - Online-Ausgabe, Tag 2 – Zusammenfassung der Inhalte

17. Jun 2020

32. KoWi-Bundestagung - Online-Ausgabe, Tag 2 – Zusammenfassung der Inhalte

Unter dem Motto: „Europäische Forschungskooperation: Eckpunkte der EU-Forschungspolitik und künftige Maßnahmen“ fand heute der zweite Tag der „Online-BuTa“ statt. Eröffnet wurde der Tag mit einer Grußbotschaft der DFG-Präsidentin Frau Prof. Dr. Katja Becker bevor im diesjährigen hochkarätig besetzten forschungspolitischem Panel der Stand und die Zukunft des europäischen Forschungsraums sowie die aktuellen Entwicklungen hin zu Horizon Europe diskutiert wurden. Abgerundet wurde der Tag mit einem Ausblick und konkreten Informationen zur kommenden Horizon 2020 -Ausschreibung zum European Green Deal.

Im Folgenden eine kurze Zusammenfassung der Panels des heutigen Tages:

30 Jahre Brückenbauen für die Forschung. Die wegweisende Geschichte der KoWi

Prof. Dr. Katja Becker, Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)

In ihrer Videobotschaft beglückwünschte DFG-Präsidentin Prof. Dr. Katja Becker die KoWi zu ihrem 30jährigen Gründungsjubiläum. Die KoWi-Bundestagung sei, so Frau Professor Becker, zu einer der profiliertesten Veranstaltung zur EU-Forschungsförderung avanciert und unterstütze wesentlich die weitere Vernetzung der EU-Referent/innen. Das Programm der BuTa sei exemplarisch für den Beratungsansatz der KoWi: Sowohl Orientierung und detaillierte Beratung zu laufenden Ausschreibungen als auch frühzeitige Information zu neuen Entwicklungen in der EU-Förderarchitektur. Damit werde die KoWi ebenso zum Impulsgeber für Drittmittelstrategien von Hochschulen.

In ihrer Rede verwies die DFG-Präsidentin zudem auf die essentielle Bedeutung und beeindruckende Zuverlässigkeit der Beratungsservices der KoWi insbesondere für die deutschen Hochschulen. Dabei hob sie insbesondere die nutzbringenden KoWi-Services hinsichtlich der Einwerbung von ERC Grants hervor. Hier, aber auch im Rahmen der EU-Verbundförderung, unterstütze und entlaste die KoWi effektiv Antragstellende und leiste damit einen enormen Beitrag zur hohen Leistungsfähigkeit deutscher Forschungsstandorte im europäischen Förderkontext.

Die DFG-Präsidentin prognostizierte der KoWi aufgrund der zunehmenden Ausdifferenzierung und produktiven Vielfalt von nationalen und europäischen Förderangeboten ein weiterhin anspruchsvolles Aufgabenfeld und eine ebenso zunehmende Bedeutung ihrer Services. Hinsichtlich dieser Herausforderungen sowie des zukünftigen Erfolgs der KoWi unterstrich Frau Professor Becker die fortdauernde Unterstützung der DFG.

Zukunftsperspektiven für den Europäischen Forschungsraum

Dr. Torsten Fischer, Leiter KoWi

Jean-Eric Paquet, Generaldirektor, GD Forschung und Innovation (RTD), Europäische Kommission

Wilfried Kraus, Leiter Unterabteilung 22 „Europäische Zusammenarbeit in Bildung und Forschung“, Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Moderiert von Dr. Torsten Fischer, dem Leiter der KoWi, diskutierten Jean-Eric Paquet, Generaldirektor für Forschung und Innovation der EU-Kommission, und Wilfried Kraus, Leiter Unterabteilung 22 „Europäische Zusammenarbeit in Bildung und Forschung“, Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), die zukünftigen Herausforderungen der Europäischen Forschungsförderung aus der Perspektive Deutschlands.

Herr Paquet äußerte eingangs die Einschätzung, dass die Rolle von Forschung und Innovation im Kontext der Corona-Pandemie in das Zentrum öffentlicher politischer und nichtpolitischer Aufmerksamkeit innerhalb der EU gerückt sei. Er erläuterte die Pläne der Europäischen Kommission und der beim „Co-Creation“-Verfahren einbezogenen nationalen und regionalen Stakeholder im Hinblick auf die Forschungsförderung in den nächsten Jahren. Forschung und Innovation stellten einen Teil der Kernthemen im EU Recovery Plan dar. Dieser solle nicht nur die gesellschaftlichen und ökonomischen Folgen der COVID-19 Pandemie auffangen, sondern auch Investitionen in den Bereichen des Green Deal und der Digital Transformation leisten. Das nächste Rahmenprogramm für Forschung und Innovation, Horizon Europe, werde hierbei eine zentrale Rolle spielen; als eines der wenigen EU-Programme solle Horizon Europe in der nächsten Förderperiode ein deutlich erhöhtes Budget im Rahmen des EU-Haushaltes „Next Generation EU“ erhalten. Insgesamt sähen die Pläne der Kommission eine finanzielle Ausstattung von derzeit – in Preisen von 2018 – knapp 81 Mrd. Euro (Horizon Europe) plus 13,5 Mrd. Euro (Recovery Fund) vor. Vor allem innerhalb der ersten Jahre der Laufzeit von Horizon Europe sollten zusätzliche Fördermittel in die Bereiche Industrie und Digitales, Klima, Energie und Transport, Gesundheit sowie den European Innovation Council (EIC) fließen.

Für die Weiterentwicklung des Europäischen Forschungsraums (EFR) hoffe die Europäische Kommission auf die Investitionen aller relevanten Akteure aus dem öffentlichen und privaten Sektor. Auch müssten die verschiedenen Beihilfeprogramme der Kommission mit Bedeutung für die Forschungsförderung synergetisch zueinander aufgestellt werden (horizontale wie vertikale Synergieeffekte). Die seit mehreren Monaten angekündigte Mitteilung zum EFR solle Ende Juli 2020 veröffentlicht werden.

Herr Kraus präsentierte die Vision der Bundesregierung auf die Zukunftsperspektiven für einen neuen Europäischen Forschungsraum. Das BMBF setze in Zukunft auf ein noch größeres Engagement der EU-Mitgliedstaaten als Lenker für den EFR, um diesen gemeinsam zielgerichteter und effektiver zu gestalten. Die Relevanz der Forschung müsse zukünftig noch deutlicher werden; ebenso sollten Flexibilität, Mobilität und faire Kooperation zwischen Mitgliedstaaten als zentrale Aspekte des ERA hervorgehoben werden.

Als Prioritäten der deutschen EU-Ratspräsidentschaft wie auch der „Trio-Partnerschaft“ (mit Slowenien und Portugal) in diesem Zusammenhang nannte Herr Kraus neben der Implementierung eines neuen EFR „Resilienzsteigerungen der EU im weiteren Sinne“, Green Deal sowie die Digitalisierung. Ferner solle eine „Road Map to Green Hydrogene“ die Forschung in diesem Bereich anleiten. Auch die Bürgerbeteiligung und -wissenschaft sollen eine zentrale Rolle während der deutschen Ratspräsidentschaft spielen, umgesetzt z.B. durch die Citizen Science Kampagne „Plastic Pirates“.

Herr Kraus riet den deutschen Universitäten und Hochschulen, sich proaktiv an den geplanten EU-Ausschreibungen zu beteiligen. Dabei spiele die Verbundforschung eine besondere Rolle. Er riet den Hochschulleitungen, sich auch strategisch noch besser für die Beteiligung an EU-Projekten zu rüsten. Die KoWi könne dafür mit ihren „EU-Strategiegesprächen“ durchaus geeignete Hilfestellung geben.

N.B.: Ab 1. Juli 2020 sind alle Informationen zur Deutschen Präsidentschaft im Rat der Europäischen Union hier verfügbar: www.eu2020.de.

Überblick über die Ausschreibungen des Green Deal

Durchgeführt vom EU-Büro des BMBF und einer Reihe von Nationalen Kontaktstellen

Ziel der Session war, die Teilnehmer/innen mit den Hintergründen und der Besonderheit des Green Deal Calls vertraut zu machen. Struktur und wesentliche Inhalte des Aufrufes wurden aufgezeigt und die Beratungsangebote von Vertretern der jeweils thematisch zuständigen Nationalen Kontaktstellen vorgestellt. 

Im Rahmen des Aufrufes sollen wenige, fokussierte Projekte mit hoher Sichtbarkeit und greifbaren Ergebnissen, die in relativ kurzer Zeit erzielt wurden, gefördert werden. Themenbereiche sind Umwelt, Energie, Verkehr, Bioökonomie und Gesellschaft, aber auch gesellschaftliche Innovationen sowie die Entwicklung neuer Wege zur verbesserten Einbindung der Zivilgesellschaft und stärkeren Beteiligung der Bürger in Forschung & Innovation.

Das für den Aufruf verfügbare Budget soll ca. 1 Mrd. EUR betragen. Die Planung sieht eine Öffnung des Aufrufes für September 2020 mit einem Fristende im Januar 2021 vor. Die Finanzhilfevereinbarungen sollen im dritten/vierten Quartal 2021 abgeschlossen werden.