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32. KoWi-Bundestagung - Online-Ausgabe, Tag 1 – Zusammenfassung der Inhalte

16. Jun 2020

32. KoWi-Bundestagung - Online-Ausgabe, Tag 1 – Zusammenfassung der Inhalte

Der erste Tag der „Online-BuTa“ stand unter dem Motto: „Aktuelle Entwicklungen und Vorbereitung auf Horizon Europe“. Nach der offiziellen Begrüßung und Eröffnung der Veranstaltung durch Dr. Torsten Fischer, Leiter der KoWi, folgten drei Beiträge, die - dem Tagesmotto folgend - die aktuellen Entwicklungen im Bereich der europäischen Forschungspolitik beleuchteten. Dabei reichte die Perspektive der Beiträge von einem sehr politischen und globalen Impuls bis hin zu den bereits sehr praxisnahen Implementierungsstrategien für das neue Forschungsrahmenprogramm, bzw. ganz konkreten Initiativen, wie den Europäischen Hochschulnetzen.

Im Folgenden eine kurze Zusammenfassung der Panels des heutigen Tages:

Begrüßung durch den KoWi-Trägerverein und forschungspolitische Impulse

Dr. Jens-Peter Gaul, Generalsekretär der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und Vorstand des KoWi-Trägervereins

Dr. Jens-Peter Gaul, Generalsekretär der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und derzeitiger Vorsitzende des KoWi-Trägervereins, begrüßte alle Teilnehmenden der 32. KoWi-Bundestagung und beglückwünschte die KoWi zu ihrem erfolgreichen 30jährigen Bestehen verbunden mit dem Dank an die DFG als Mitglied für die verlässliche Finanzierung der KoWi über all die Jahre.

In seinem anschließenden Überblick zu forschungspolitischen Entwicklungen auf europäischer Ebene verwies Jens-Peter Gaul auf den noch ausstehenden Abschluss der legislativen Verhandlungen zum nächsten EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizon Europe sowie Unsicherheiten für den Hochschul- bzw. Forschungsbereich aufgrund des EU-Austritt des Vereinigten Königreichs. Chancen würden sich aber für die Hochschulen und deren (internationale) Wissenschaftskooperationen beispielsweise durch den digitalen Wandel in der Wissenschaft sowie die von der EU geförderten europäischen Hochschulnetzwerke ergeben.

Anschließend verwies Jens-Peter Gaul auf die Herausforderungen der COVID-19-Pandemie, beispielsweise die erschwerten Verhandlungen zum nächsten mehrjährigen EU-Finanzrahmen (MFR, 2021-2027) mit Konsequenzen für das Budget von Horizon Europe. Zum Vorschlag der EU-Kommission für einen Recovery Plan erinnerte Herr Gaul an eine aktuelle Stellungnahme der Allianz der Wissenschaftsorganisationen mit der Forderung, sowohl im nächsten MFR als auch innerhalb des Recovery Plans die Bereiche Forschung, Bildung und Innovation insgesamt zu stärken.

Kritisch sah Jens-Peter Gaul hier die von der EU-Kommission vorgeschlagene Reduzierung des Budgets von ERASMUS+ (für die Förderperiode 2021-2027): Diese Kürzung würden dem hohen Stellenwert von ERASMUS+ für die Hochschulen – als dem zu Horizon Europe komplementärem Förderprogramm – für die akademische Bildungsmobilität nicht gerecht.

Im Hinblick auf die weitere Ausgestaltung von Horizon Europe betonte der HRK-Generalsekretär, dass insbesondere in der kollaborativen Forschungsförderung (zweite Säule von Horizon Europe) auch weiterhin kleine und flexiblere Förderformate beibehalten werden und in einem angemessenen Verhältnis zu eher großformatigen Förderansätzen wie beispielsweise den Missionen stehen sollten.

Die Implementation Strategy für Horizon Europe

Dr. Peter Härtwich, Europäische Kommission

Im ersten Panel  gab Peter Härtwich einen vertieften Einblick in die Ende April veröffentlichte Implementierungsstrategie für Horizon Europe. Diese definiert vier Prinzipien, denen jeweils mehrere zentrale Maßnahmen zugeordnet werden, die die Umsetzung des neuen Rahmenprogramms unterstützen sollen.

So sollen die Arbeitsprogramme verständlicher formuliert werden und Ausschreibungen mehrere Einreichfristen erhalten, um mehr Akteuren die Chance zur Teilnahme zu geben. In einigen Bereichen wird ein Portfolio-Ansatz hinsichtlich der geförderten Projekte eingeführt (Missionen, EIC).

Die Begutachtung (inkl. Ethik) soll vereinfacht und einige Pilotmaßnahmen gestartet werden, u.a. anonyme Begutachtungen und ein „rebuttal pilot“, in dessen Rahmen Missverständnisse bei der Begutachtung adressiert werden können.

Im Bereich der Berichterstattung soll insbesondere die Personalkostenabrechnung vereinfacht werden (daily rates) und Zeitaufzeichnungen künftig überflüssig machen.

Abschließend präsentierte Peter Härtwich die ersten Erfahrungen mit der „Lump sum“-Förderung, aufgrund derer der weitere Einsatz dieser Förderform in Horizon Europe ausgestaltet wird.

Der BAK diskutiert: Europäische Hochschulnetzwerke

Panel des Bundesarbeitskreises der EU-Referentinnen und -Referenten an deutschen Hochschulen (BAK)

Moderiert von Friederieke Noack vom European Project Center der TU Dresden, diskutierten Nils Wörner vom Brüsseler Büro der HRK, Dr. Ursula Schlichter, EU-Referentin der Universität Mannheim und Prof. Dr. Ralph Schneider, Christian-Albrechts-Universität (CAU) Kiel die ersten Erfahrungen und Einschätzungen zur Initiative der Europäischen Hochschulnetzwerke.

Die HRK blickt vorsichtig optimistisch auf diese neue Initiative: Sie sei ein guter Beitrag zur Gestaltung des Europäischen Forschungs- und Bildungsraumes, aber eine ausreichende finanzielle Ausstattung für die Aktivitäten der Netzwerke sei unbedingt erforderlich. Zudem sollten beteiligte Hochschulen die Freiheit haben, im Rahmen der Ziele der Initiative ein eigenes Profil herauszubilden, statt ein „top down“ vorgegebenes Bild einer Hochschule zu erfüllen.

Als Projektleiter in dem Hochschulnetzwerk „SEA-EU European University of the seas“ berichtete Prof. Schneider von seinen Erfahrungen bei der Antragstellung und der Implementierung. Für die Antragstellung wurde die CAU Kiel direkt angesprochen, u.a. weil sie für das Thema durch den Exzellenzcluster „Future Ocean" bekannt war. Durch die Aktivitäten des Netzwerkes ergäben sich viele neue Möglichkeiten für die Internationalisierung an der Universität, man könne jedoch bereits erkennen, dass die beteiligten Universitäten bei der Umsetzung der geplanten Maßnahmen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten unterwegs seien. Aufgrund der Unterfinanzierung der Initiative ist die Top-up Förderungen durch das BMBF via den DAAD für die CAU ganz besonders willkommen und essentiell für den Erfolg.

Dr. Ursula Schlichter war aktiv in die Antragstellung ihrer Universität für ein Hochschulnetzwerk in der zweiten Runde der Pilotausschreibung eingebunden. Basierend auf dieser Erfahrung betonte sie folgende Punkte, die bei diesem Prozess wichtig und hilfreich waren:

  • Schaffung von Strukturen für die Umsetzung der Antragstellung (Steering Group, Arbeitsgruppen an allen Universitäten, bestehend aus Vertretern aller Interessensgruppen (Fakultäten, Studierendenschaft, Verwaltung), ein „Schreibteam“)
  • Persönlicher Kontakt zwischen den Arbeitsgruppen und den Präsidien der Universitäten, viel und dauerhafte Kommunikation untereinander
  • Gute Kommunikation innerhalb der Universität
  • Ein minutiöser Zeitplan