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EU-Forschungsförderung – zum Einstieg

Die Forschungsförderung der Europäischen Union hat in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen; absehbar wird sich diese Entwicklung fortsetzen. Der folgende Text und die beigefügten Materialien führen zusammenfassend in die Hintergründe der EU-Forschungsförderung ein, nennen wichtige Prinzipien und Argumentationslinien und geben eine Reihe von allgemeinen praktischen Hinweisen zu Antragsstellung und Projektdurchführung.

Zur Geschichte der EU-Forschungsförderung

Den Kern der EU-Forschungsförderung bilden seit 1984 die sog. Forschungsrahmenprogramme (FRP), die in mehrjährigen Laufzeiten und mit unterschiedlichen Instrumenten Fördergelder zur Verfügung stellen; das 8. FRP startet am 1. Januar 2014. Im Laufe der Zeit haben sich die Rahmenprogramme unter dem Einfluss des europäischen Einigungsprozesses und des weltweiten Wandels in den Systemen von Forschung und Forschungsförderung stark verändert.

Prägend ist dabei zunächst eine schrittweise Entwicklung der Programme hin zu größerer Wissenschaftsnähe. So wird der überwiegende Teil der Mittel mittlerweile von Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen abgerufen; eine starke, qualitätsorientierte Förderung von Grundlagenforschung, eigene Förderlinien für die Geistes- und Sozialwissenschaften und die wissenschaftsadäquate Öffnung aller Verfahren für die Zusammenarbeit mit außereuropäischen Partnern illustrieren diese Entwicklung.

Zugleich ist das ursprüngliche Konzept der EU-Forschungsförderung – Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie – immer präsent geblieben und hat zuletzt wieder deutlich an Bedeutung gewonnen. Als historischer Wendepunkt darf hier das 5. Forschungsrahmenprogramm gelten, dessen systematische Evaluierung die Notwendigkeit zeigte, den „Impact“ EU-geförderter Projekte im Hinblick auf marktfähige Produkte und Technologien zu steigern; seitdem versuchen die Forschungsrahmenprogramme der EU, Wissenschaftsnähe und Marktnähe im Spektrum ihrer Förderangebote zu verbinden.

Zur Entwicklung der EU-Forschungsförderung im Einzelnen: David/Gaul: „Forschungsförderung in Europa – eine Erfolgsgeschichte. Entwicklung und Funktion der Forschungsrahmenprogramme der Europäischen Union“; in: Wissenschaftsmanagement 2009, Heft 6, S. 20-25.

Zur Bedeutung der EU-Forschungsförderung heute

Fördergelder der EU machen schon heute ca. 10 % der Forschungsdrittmittel an deutschen Hochschulen aus; Tendenz steigend. Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig: Die EU stellt zunehmend größere Budgets mit teilweise enormen Steigerungsraten zur Verfügung; eine bisweilen jahrzehntelange Stabilität in der inhaltlichen Prioritätensetzung führt zu hoher Planungssicherheit; die einschlägigen Instrumente und Programmlinien bieten ein breites Spektrum von thematisch definierten und themenoffenen Forschungsmöglichkeiten; mit der Förderung insbesondere durch den European Research Council (ERC) ist mittlerweile großes internationales Renommee verbunden; Forschen in EU-Förderprogrammen bietet einen einzigartigen Zugang zu Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft weltweit.

Insbesondere für die europäischen Staaten, deren Forschungsfördersysteme nicht den hohen Ausbaugrad wie etwa das deutsche System aufweisen, spielt die EU-Forschungsförderung schon jetzt eine zentrale Rolle bei der Finanzierung der Forschung, bei der Prioritätensetzung und bei der Entwicklung der Instrumente. Aber auch in den wissenschaftsstarken Nationen gelten EU-Fördermittel inzwischen als ein wichtiger Indikator bei Entscheidungen über nationale Förderung und als Maßstab für die internationale Sichtbarkeit der Einrichtungen. Vor diesem Hintergrund hat sich in Deutschland eine komplexe Diskussion über das Verhältnis von nationaler und europäischer Forschungsförderung entwickelt, in der unter anderem die Frage nach der Aufgaben- und Ressourcenverteilung zwischen der nationalen, der bi- und multilateralen europäischen und der EU-Ebene von Bedeutung ist.

Zum Verhältnis nationale – europäische Forschungsförderung im Einzelnen:

Praktische Hinweise

Verfahren und Regeln der EU-Forschungsförderung weichen teilweise erheblich von den standardsetzenden Verfahren etwa der DFG in Deutschland ab. Es ist empfehlenswert, sich mit den Regeln der EU-Forschungsförderung sowie den zugehörigen Hintergründen und informellen Faktoren gut vertraut zu machen und die entsprechenden Beratungsangebote der KoWi in Anspruch zu nehmen.

Allgemeine Informationen zum 7. Forschungsrahmenprogramm und seinen Unterprogrammen (sog. „Spezifischen Programmen“) und zum Nachfolgeprogramm „Horizon 2020“ (ab 01.01.2014) sind hier abrufbar.

Für eine erste Orientierung finden sich im Folgenden öffentlich zugängliche Informationen einiger geförderter Projekte, die zeigen, nach welchem Muster Projektanträg im sog. Spezifischen Programm „Zusammenarbeit“, dem Herzstück des aktuellen 7. Forschungsrahmenprogramms, aufgebaut sein können.

  1. "Small/Medium-Scale Focused Research“ Projekt (STREP) gefördert im Thema IKT:
    AVANTSSAR - Automated validation of trust and security of service-oriented architectures
  2. „Collaborative Project  Small/medium scale focused research“ Projekt gefördert im Thema Umwelt:
    EUCLIPSE - EU Cloud intercomparison, process study and evaluation project
  3. „FET Open“ Projekt gefördert im Thema IKT:
    OPPORTUNITY - Activity and context recognition with opportunistic sensor configurations

Das Spezifische Programm “Zusammenarbeit” ermöglicht die Kooperation auch in großen Verbünden mit zahlreichen europäischen und außereuropäischen Partnern. Die Planung und Vorbereitung eines solchen Projektes kann anspruchsvoll sein. Typischerweise treten im Vorfeld einer erstmaligen Antragstellung eine Reihe von grundsätzlichen Fragen auf, zu denen die folgende Datei erste Orientierung geben soll:

Konzeption und Formulierung des Antrags sind auch in den beiden anderen wichtigen Spezifischen Programmen „Ideen“ (Förderung exzellenter Grundlagenforschung) und „Menschen“ (Förderung von Mobilität und jungen Forschenden) von zentraler Bedeutung. Grundlegende Prinzipien und Hinweise sind hier zusammengefasst:

Wird ein Projekt eingeworben, rückt dessen Durchführung in den Mittelpunkt. Eine besondere Rolle spielen dabei die Fragen des Finanz- und Vertragsmanagement im Projekt. Viele dieser Fragen lassen sich durch eine passende Vertragsgestaltung zwischen den am Projekt beteiligten Personen und Institutionen gut regeln, so dass Interessenkonflikte schon im Vorfeld vermieden werden. KoWi hat in den letzten Jahren hier gemeinsam mit einer Reihe von Partnern aus der Wissenschaft für einige Bereich Musterarbeitsverträge und Musterkonsortialverträge erarbeitet, die als Vorlage für die Vertragsgestaltung dienen können.

Dokumente
Wissenschaftsrat 2010: Empfehlungen zur deutschen Wissenschaftspolitik im Europäischen Forschungsraum [de]
EUROHORCs and ESF Vision on a Globally Competitive ERA and their Road Map for Actions [en]
DFG-Förderranking 2009 [23 MB] [de]
Gaul/David: Entwicklung und Funktion der Forschungsrahmenprogramme [de]
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